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Kundgebung zum Gedenken an die Fukushima-Katastrophe


Sieben Jahre nach der Katastrophe in Fukushima gedachten der BUND, Greenpeace, das AntiAtomNetz Koblenz und die Bürgerinitiative gegen das Atomkraftwerk in Mülheim-Kärlich an die Opfer und Folgen der Katastrophe in Fukushima vor sieben Jahren. Mit einer Schweigeminute wurde ihre Anteilnahme an die leidende Bevölkerung um Fukushima zum Ausdruck gebracht. Durch Redebeiträge, Banner und Atomsymbol-Laternen mahnten sie gemeinsam vor den Gefahren von Atomkraft.

Durch die Flutkatastrophe starben bei einem Erdbeben mit Tsunami am 11. März 2011 über 18000 Menschen. In der Folge begannen mehrere Katastrophen mit Super-GAU. 170 000 Einwohner mussten ihre verstrahlte Heimat verlassen.

Die Atomkatastrophe dauert bis heute an, mit immensen Folgen für Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft. So steht belastete verstrahlte Erde als permanentes Gesundheitsrisiko an vielen Orten offen in Plastiksäcken herum und radioaktiv verseuchtes Wasser gelangt ständig ins Erdreich und in den Pazifischen Ozean. Dennoch werden Landwirte und Familien mit Kindern wieder dorthin umgesiedelt.

Die Koblenzer BUND Gruppe hält Kontakt zu Kazuhiko Kobayashi, einem japanischen Rentner, der Familien aus Fukushima Kinderfreizeiten über Spenden im Süden Japans ermöglicht. Kobayashi beklagt „Wir die freiwilligen unterstützenden Mitbürger werden leider weniger, sind aber noch da und fühlen uns jetzt um so stärker mit den leidenden Opfern solidarisch verbunden.“ Er kritisiert, dass viele Kinder mit offiziellem Druck gedrängt werden in die verstrahlten Gebiete zurück zu gehen und das obwohl beispielsweise die Schildrüsenkrebserkrankungen massiv zunehmen.

Egbert Bialk vom BUND und AntiAtomNetz erinnerte daran, dass Katastrophen, wie in Fukushima in Europa täglich Realität werden können. Bialk: „Cattenon und Tihange liegen in unmittelbarer Nachbarschaft von uns, es besteht dort ein erhöhtes Störfallrisiko, trotzdem werden sie nicht abgeschaltet und dass obwohl wir Atomkraft dank der erneuerbaren Energien nicht mehr für die Energieversorgung brauchen.“ Jeder weitere Betriebstag des AKW bedeute immer mehr Atommüll für den es keine Entsorgung gebe. Für kommende Generationen stelle Atomkraft eine beständige große Gefahr dar. Dementsprechend brauche es einen schnellen Umstieg auf hundert Prozent erneuerbare Energien, auch aus Klimaschutz gründen.

 

11. November 2014

"Die Flüchtlinge aus Fukushima und ihr Leben"


Kazuhiko Kobayashi lebte 29 Jahre im Deutschland. Als er pensioniert wurde, ging er zurück nach Tokio, um dort seinen Ruhestand zu verleben. Die atomare Katastrophe vom Fukushima erschütterte ihn so sehr, dass er heute durch Europa reist, um auf die Gefahren der atomaren Energieerzeugung hinzuweisen.


Am 07.11.2014 war Kazuhiko Kobayashi auf Einladung des BUND Koblenz und der Heinrich Böll Stiftung im Schöffenhaus und berichtete beeindruckend über die Lebenswelt der Kinder im verstrahlten Bezirk bei Fukushima.

Vorab gab er den Umweltreportern der Grundschule Moselweiß ein exklusives Interview. Die Kinder waren beeindruckt, dass es einem Menschen so wichtig ist, seine Lebenszeit dafür einzusetzen, Menschen auf die Gefahren der Atomkraft aufmerksam zu machen. „Hat sich das mit der Radioaktivität gebessert?“, wollte einer der Umweltreporter wissen. Herr Kobayashi schilderte, dass die Radioaktivität sich über die ganze Welt verbreitet. Außerdem haben die Strahlenopfer in Japan genetische Störungen, die vererbt werden können, so dass viele Generationen betroffen sind. „Ich habe großes, großes Mitleid mit den Kindern. Deshalb sammle ich Spenden für diese Kinder. Ich möchte diese Kinder in eine sichere Gegend bringen. Ich mache diese lange Reise – das ist sehr anstrengend für mich – für diese Kinder.


In darauf folgenden öffentlichen Vortrag führte er in die Historie der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki ein, und wie die Auswertung der Strahlenschäden ausschließlich in amerikanischer Hoheit blieb und später durch die Atombehörde IAEA kontrolliert wurde und dabei die Schäden klein geredet wurden. Er sagte, dass es damals den japanischen Ärzten verboten war Strahlenopfer zu behandeln, da man unverfälschte Krankheitsverläufe dokumentieren wollte. Wie dann die Atomkraftwerke als harmlose und positive Energiequelle gepriesen wurden, obwohl früh schon klar war, dass die Technik kaum beherrschbar war und eine Entsorgung ungeklärt blieb. Dennoch wurden gerade im ständig Erdbeben ausgesetzten Japan sehr viele AKW gebaut. In den Folgejahren wurden Probleme oder Störfälle konsequent vertuscht, begünstigt durch die japanische Tugend nie Vorgesetzte zu kritisieren.

Nach dem GAU häufen sich die vorher unbekannten Schilddrüsenkarzinome bei Kindern, und weiter obliegt die Überwachung der IAEA und Zusammenhänge zur Verstrahlung werden als unbeweisbar bagatellisiert. Die Kinder sollen zwecks Dokumentation der Krankheitsverläufe in der Region bleiben.

Die Bilder zeigten, dass normales Leben innerhalb der verstrahlten Region nicht mehr möglich ist: Nachdem durch Bodenabtragung ein Garten oder Grundstück dekontaminiert wurde, ist nach einigen Monaten durch Staubverwehung und Niederschlag wieder alles verstrahlt. Kinder können nicht draußen spielen. Hier setzt Kazuhiko Kobayashi an: Er sammelt Spenden um Kindern und Familien Kurzurlaube am Meer in unverstrahlter Region zu ermöglichen. Viele Kinder können so erstmals nach der Atomkatastrophe , also erstmals seit 2011 im Matsch spielen oder auf einer Wiese Blumen sammeln.

"Wenn eine Gesellschaft nicht mehr für ihre Kinder sorgt, bringt sie sich um ihre eigene Zukunft. Denn wir einzelne leben nicht ewig." Die beeindruckten Zuhörer spendeten reichlich zur Unterstützung dieser Kinderfreizeiten. Die Veranstaltung wurde möglich durch Einladung und Organisation des BUND Koblenz in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Bonn.


Thomas Bernhard, stellv. Vors. des BUND Koblenz




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