Kreisgruppe Koblenz kündigt harten Widerstand und juristische Schritte gegen die von der CDU geforderte Dauerlösung an.
Die BUGA, der Gewässerschutz und der Atomausstieg standen im Mittelpunkt der jüngsten Mitgliederversammlung des Bundes für Umwelt- und Naturschutz BUND Kreisgruppe Koblenz am 12.04.2011. Anlässlich der Eröffnung der Bundesgartenschau wünschte der Vorsitzende Werner Huffer-Kilian der Stadt trotz zahlreicher Kritikpunkte, wie zum Beispiel die Fällung von mehreren hundert großkronigen Bäumen rund ums Schloss, in den Rheinanlagen und in Ehrenbreitstein, ein gutes Gelingen. „Die BUGA ist hinsichtlich Wetter und Besucherzahlen zum Erfolg verdammt, ansonsten droht dem städtischen Haushalt ein noch größeres Minus zu Lasten von uns Steuerzahlern.“ Keinerlei Verständnis zeigte die Versammlung für Bestrebungen mancher Lokalpolitiker, die Seilbahn auch nach der Gartenverbandschau zur Dauereinrichtung zu machen. „Die Seilbahn-Talstation liegt im Hochwasser-Abflussbereich und stört empfindlich die Sichtbeziehungen zum kulturhistorischen wertvollsten Bereich der Rheinpromenade“, so der 2. Vorsitzende Egbert Bialk. „Sie sieht aus wie eine Kirmesbude und passt zur Kastor-Basilika wie die Faust aufs Auge. Eines von beiden Bauwerken muss also schnellstens abgerissen werden.“ Im Übrigen sei die Seilbahn unvereinbar mit dem Unesco-Welterbe-Status Oberes Mittelrheintal. „Wenn MdL Biebricher mit der CDU es jetzt zu ihrem Hauptanliegen machen, die Seilbahn als Dauereinrichtung zu zementieren, so sollten sie wissen, dass sie sich dabei gegen geltendes Baurecht stellen, denn dieses ist nur für einen eng begrenzten Zeitraum bewilligt“, so der BUND-Vorstand. Gegen diesen geplanten Rechtsbruch kündigt der BUND bereits jetzt seinen entschlossenen Widerstand und juristische Schritte an. Dies gelte auch für Salami-Taktiken wie die von OB Hofmann-Göttig ins Spiel gebrachte Verlängerung um ein paar Jahre.
Positiv bewertete die Kreisgruppe die hohe Mobilisierung der Atomgegner. Die Koblenzer organisieren bereits seit 35 Wochen allwöchentlich Anti-Atom-Montagsspaziergänge vom Büro des CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Fuchs, einem ausgewiesen Atom-Hardliner, in die Koblenzer Innenstadt. Auch letzte Woche kamen wieder über 200 Menschen, darunter die Umwelt-Staatssekretärin Jacqueline Kraege und der IG-Metall-Vorsitzende Reiner Göbel. Nach Koblenzer Vorbild finden montags inzwischen in rd. 500 Städten ähnliche Veranstaltungen statt mit vielen Zehntausend Teilnehmern. Für Ostermontag ruft das AntiAtomNetz anlässlich des 25. Jahrestages des Super-GAUs von Tschernobyl zur Großdemo in Biblis auf und bietet hierfür günstige Busmitfahrplätze an – Tel. (0261) 94249722. Außerdem kann jeder Interessierte beim BUND unabhängige Strompreisvergleiche von 100%igem Ökostrom mit dem Kohle-Atom-Mix der Grundversorger erhalten und Hilfestellungen beim Stromanbieterwechsel.
Ein anschauliches Referat von Achim Theisen zur Gewässerreinhaltung und naturnahen Gestaltung kleinerer Fließgewässer samt aktueller Gefährdungen am Beispiel der Nette sowie die Vorstellung einer türkischsprachigen Umweltgruppe rundeten die gut besuchte Mitgliederversammlung ab.
Ziemlich penetrant: BUGA überall
Wo man in Koblenz zur Zeit auch hinschaut, überall BUGA-Werbung:
Auf Müllautos und Bussen, auf Briefpapier städtischer Schreiben, in E-Mails von städtischen Institutionen, auf unzähligen Fahnen in zum Teil absurder Dichte (siehe das Photo von der Lielsgasse in der Altstadt, d.h. der Verbindung zwischen Entenpfuhl und Jesuitenplatz), auf Buga-Blumenkübeltaschen (siehe Photos). Bestimmt gibt es noch mehr...
Welches kostenlose Werbeblatt man auch aufschlägt: Überall Buga-Euphorie, Buga-Erfolgsmeldungen, es gibt auch ein Buga-Lied.
Es ist schon ziemlich penetrant, was da den Leuten eingetrichtert werden soll. Was kann man nach der Buga2011 mit all den Fahnen anfangen? Werbung muss sein. Sie hat aber auch Grenzen.
Insgesamt soll es ca. 120 Buga-Blumenkübeltaschen in der Stadt geben. Eine einzige von ihnen soll ca. 500 Euro kosten, wie anlässlich des Diebstahls von zwei dieser Taschen am Anfang November 2010 bekannt wurde. 60.000 Euro allein für Blumenkübeltaschen, was hätte man nicht alles mit dem Geld machen können...
Türrahmen ins Nichts
Seit ca. Februar 2011 stehen an drei Stellen am Rheinufer in Koblenz stählerne Türrahmen, die im Zuge der BUGA 2011 aufgestellt wurden. Wieder einmal sinnlos zum Fenster hinausgeworfene, schuldenfinanzierte Gelder, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden können.
Neues zum BUGA-Bunker
Wieder einmal sind durch die BUGA Bäume gefallen, diesesmal beim BUGA-Bunker, einem häßlichen Betonklotz unmittelbar im Vorfeld der Festung Ehrenbreitstein. Erstaunlich in diesem Fall die Konstellation von gefällten Bäumen und direkt daneben gepflanzten neuen Bäumen (die übrigens ziemlich dicht zusammenstehen). Für irgendwen ist das möglicherweise genial, falls der Baumfäller identisch ist mit dem Baumpflanzer: Da läßt sich doppelt Kasse machen: Bäume fällen kostet Geld und Bäume pflanzen auch. Für den Steuerzahler und die Natur ist es sicher nicht genial. Auf dem Papier ist jedenfalls alles ausgeglichen...
Vergleichen Sie die Photos vom BUGA-Bunker von den Tagen 15.09.2010 (hier) und 11.10.2009 (unten).
Die BUGA kommt, die Bäume gehen...
Auf dieser Seite werden einige Informationen gezeigt, die nicht unbedingt in den Hochglanz-Prospekten der BUGA zu finden sind. Wie nachhaltig und positiv für die Umwelt/Natur und die öffentlichen Haushalte der Stadt Koblenz und des Landes Rheinland-Pfalz die BUGA 2011 in Koblenz ist, wird sich erst zeigen, wenn sie vorüber ist. Machen Sie sich selbst ein Bild anhand der auf dieser Seite vorgestellten Fakten.
BUGA-Seilbahn mit positiver Ökobilanz?
Auf der Titelseite von "Blick aktuell" Ausgabe Koblenz vom 22.Mai 2010 steht als Überschrift "Positive Ökoblianz" und unter einem Photo von einer Seilbahn-Gondel mit verschiedenen wichtigen Personen wird mit den Worten "Die BUGA-Seilbahn über den Rhein kann mit einer positiven Ökobilanz aufwarten." in einer Pressemitteilung der BUGA Koblenz 2011 Bezug auf die BUGA-Seilbahn genommen. Es wird aufgezeigt, dass der Betrieb der Seilbahn im Vergleich zu einem Buspendelverkehr eine sehr positive Ökobilanz aufweise und es sich um ein ökologisch sinnvolles Transportmittel handele, das daneben einen touristischen Anziehungspunkt darstelle. Die Belastung für Umwelt, Verkehr und Anwohner falle im Vergleich zum alternativen Buspendelverkehr wesentlich geringer aus. Das ist zweifellos richtig. Der BUND Koblenz ist jedoch der Auffassung, dass man die BUGA 2011 als Gesamtes in ihren Auswirkungen betrachten und bilanzieren muss. Dann sieht die Rechnung nämlich sehr wahrscheinlich anders aus. Es wurde einiges an Natur zerstört und eine der Ausgleichsmaßnahmen macht den Eindruck, sie sei mit geringstmöglichem Aufwand durchgeführt. Insofern müßte die Überschrift statt "Positive Ökobilanz" eher "Weniger schlechte Ökobilanz" lauten.
BUGA-Impressionen vorher-nachher
2011 wird die Bundesgartenschau (kurz: BUGA) in Koblenz stattfinden. Die Vorbereitungen dazu laufen auf vollen Touren.
Zur Zeit ist eine regelrechte "BUGA-Euphorie" zu verspüren. In der Presse, auf Veranstaltungen, in der Öffentlichkeit: Das Thema BUGA ist omnipräsent. Lobeshymne um Lobeshymne wird gesungen, Photos mit glücklichen Menschen, die eine BUGA-Planung vorstellen oder etwas in Verbindung mit der BUGA tun (z.B. "Erster Spatenstich"), lächeln dem Leser aus der Zeitung entgegen. Sogar ein Verein "Freunde der Bundesgartenschau Koblenz 2011 e.V." hat sich gegründet. Vor kurzem konnte das 500ste Mitglied begrüßt werden.
Ist wirklich alles Gold, was glänzt?
Die BUGA bringt Koblenz ohne Zweifel nachhaltig einige positive Entwicklungen. Zum Beispiel wird der Clemensplatz entsiegelt, begrünt und mit dem Reichensperger Platz verbunden. Ein echter Gewinn für die Innenstadt.
Allerdings geschehen auch einige Dinge, die aus Sicht des BUND sehr negativ sind. Beispielsweise wurden rund um das Koblenzer Schloß etliche Bäume gefällt und dieser Verlust wurde durch die Nachpflanzungen insgesamt nicht ausgeglichen. Ein Minus an Grünmasse in der Innenstadt.
Die BUGA schafft freies Schussfeld vor der Festung Ehrenbreitstein
Auch auf dem Festungsplateau vor der Festung Ehrenbreitstein hat die BUGA viele Entwicklungen verursacht, die aus Sicht des BUND negativ sind. Auf der offiziellen BUGA-Homepage wird dies wie folgt zum Ausdruck gebracht:
" In Anlehnung an die Historie der Festung Ehrenbreitstein entsteht hier ein unvergleichlicher Landschaftspark mit einem so genannten freien Schussfeld und geheimnisvollen gedeckten Gängen am Rande von geneigten Rasenflächen, die das Gelände strukturieren und zu dessen schrittweisem Erobern einladen."
Wie das "freie Schussfeld" in die Realität umgesetzt worden ist, zeigen die unten stehenden Photos. Zum Teil war es wirklich nicht so einfach, dieselbe Position für die Aufnahme vorher wie nachher wieder zu finden, so radikal hat sich das Gelände gewandelt.
Der BUGA-Bunker
Wer glaubte, der Bau von Bunkern sei nach dem Kalten Krieg aus der Mode gekommen, der wird anlässlich der BUGA in Koblenz eines Besseren belehrt: Vor der Festungsanlage Ehrenbreitstein ist ein Betonklotz entstanden, der glücklicherweise die meiste Zeit des Jahres durch die Belaubung der nicht der BUGA zum Opfer gefallenen Bäume am Hang des Festungsplateaus versteckt wird.
Wie die BUGA romantische Waldlichtungen entstehen lässt...
Auf der offiziellen BUGA-Seite im Internet kann man bzgl. des BUGA-Geländes/Festung lesen:
"Auf einer romantischen Waldlichtung zeigen Friedhofgärtner und Steinmetze mit kreativen Grabgestaltungen ihr Können."
Die Photos zeigen, wie die "romantische Waldlichtung" durch die BUGA entstanden ist.
Ist ein Quadratwald nachhaltig?
Auf dem Plateau vor der Festung Ehrenbreitstein waren etliche Bäume und Sträucher. Indem man diese mehr oder weniger natürlichen Strukturen beseitigt und völlig neu gestaltet, kann man doppelt verdienen: Für die Beseitigung und für das Neupflanzen. Aus anderer Perspektive betrachtet: Indem man so etwas tut, kostet es doppelt Geld. Eichen in einer Größe wie auf den Photos zu sehen wurden neu gepflanzt. Sehr dicht beisammen stehend, alle in exakter quadratischer Anordnung, daher der Spitzname "Quadratwald". Natürlich kosten Bäume in dieser Größe sehr viel Geld in der Anschaffung. In der Pflanzung ist ein großer Baum natürlich auch viel aufwendiger als ein kleiner. Das "In-Form-Halten" dieses "Bosquets", wie der Quadratwald offiziell bezeichnet wird, ist ein Beispiel dafür, wie man bei der BUGA das Wort "nachhaltig" verstehen mag: Es wird nachhaltig Geld kosten. Immerhin muss man anerkennen: Die BUGA hat nicht nur (viele) Bäume gefällt, sondern auch (einige wenige) gepflanzt.
Veränderungen im Kontext der BUGA
Vor dem Koblenzer Schloß wurde eine Tiefgarage neu gebaut. Parkplätze auf der Vorderseite des Schlosses sind für neue Gartenanlagen zum Teil weggefallen, zum Teil wurden zwischen Pfaffendorfer Brücke und Schloß neue Parkplätze geschaffen. Zunächst war geplant, dass dort ca. 300 neue Parkplätze ohne jegliche Baumbepflanzung geschaffen werden sollten. Erst nach massiven Protesten des BUND Koblenz mit Mahnwachen und weiteren Aktionen wurde auf einige Parkplätze zugunsten von Bäumen verzichtet.
Es war einmal eine Flügelnuß...
Beim Koblenzer Schloß gab es einmal eine herrliche große Flügelnuß. Im Zuge der Umgestaltungen anlässlich der BUGA musste sie fallen...
Stippvisite einer Seilbahn
Aufgrund der BUGA wurde von einem Konzessionär (Fa. Doppelmayr Seilbahnen GmbH) über den Rhein eine Seilbahn errichtet, die das Festungsplateau Ehrenbreitstein mit dem BUGA-Gelände beim Deutschen Eck verbindet. Der dauerhafte Betrieb der Seilbahn ist mit dem von der Unesco verliehenen Titel "Welterbe Mittelrheintal" nicht gut verträglich. Einerseits um diese tourismusfördernde Betitelung nicht auf's Spiel zu setzen, andererseits weil sich diese Seilbahn nach dem Ende der BUGA 2011 Prognosen zufolge nicht wirtschaftlich betrieben lässt, wird die Seilbahn nach ca. 3jährigem Betrieb im November 2013 wieder abgebaut und verkauft werden. Auf seiten der Talstation mussten für die Seilbahn fünf große Platanen gefällt werden, auf seiten der Bergstation weitere Bäume in unbekannter Zahl. Die BUGA rechnet anhand der durch die Seilbahn vermiedenen Pendelbusfahrten vor, dass die Seilbahn eine positive Ökobilanz habe, welche bei Verwendung von Naturstrom bzgl. der CO2-Bilanz noch weiter verbessert werden könne. Ein Alternativstandort der Talstation, der die fünf Platanen hätte erhalten bleiben lassen können, war angeblich technisch nicht vertretbar. Rechnete man die Ökobilanz allerdings "Koblenz ohne BUGA" gegenüber "Koblenz mit BUGA", dann zeigte sich, dass das Rechenexempel der BUGA verfehlt ist. Man halte sich vor Augen: Für die kurze Stippvisite einer Seilbahn wurden Bäume gefällt, die seit Jahrzehnten standen und wohl auch noch Jahrzehnte hätten stehen können.
Eine Treppe ins Wasser
Vor dem Koblenzer Schloß wurde für die BUGA auch eine Treppe mit Sitzstufen hinunter an den Rhein gebaut. Wieviel hat sie gekostet? Wer braucht eine solche Treppe angesichts von rekordverdächtigen Schuldenständen des Landes Rheinland-Pfalz und der Stadt Koblenz? Anderweitig wäre das Geld gewiss sinnvoller investiert gewesen.

- Blick von der Pfaffendorfer Brücke auf die Treppe zum Rhein hinunter.

- Die neue Treppe am Rheinufer vor dem Schloss.
Vorne hui und hinten ...
Am 07. Mai 2010 wurde in Koblenz-Immendorf der neue "Immendorfer Obstweg auf dem Dörnchen" eröffnet. Dieser Weg geht wesentlich auf die Initiative und Tatkraft des Vereins "Schönes Immendorf e.V." zurück. Auf Flächen der Stadt Koblenz wurden viele alte hochstämmige Streuobstsorten angepflanzt.
Doch nicht nur der Verein Schönes Immendorf e.V. hat dort Obstbäume gepflanzt. Für ihre Eingriffe in Natur und Landschaft ist die BUGA gesetzlich verpflichtet, Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. Solche können z.B. in Form von Streuobstwiesen erbracht werden, wie beim Immendorfer Obstweg geschehen.
Vergleichen Sie die Photos:
Einerseits sind vom Verein "Schönes Immendorf e.V." gepflanzte Bäume zu sehen, die mit vier Pfählen gut gestützt und ordentlich mit Hasendraht vor Wildverbiß geschützt sind.
Dann gibt es die im Rahmen der BUGA-Ausgleichsmaßnahmen gepflanzten Bäume mit einem einzelnen Pfahl, lieblos mit niedrigem Hasendraht umgeben. Die geringe Höhe, auf der der Schutz durch diesen Hasendraht gegeben ist, wird allenfalls kleinere Tiere vom Verbiß abhalten können. Rehe werden kein Problem haben, oberhalb des Drahtes an die Bäume zu kommen. Hier wird deutlich, dass mit geringstmöglichem Aufwand gesetzlichen Verpflichtungen nachgekommen wird. Steht schließlich auch nirgends dran, dass dies BUGA-Ausgleichsmaßnahmen sind und man muss schon genauer hinsehen, um den Unterschied zu erkennen. Wie es mit der weiteren Pflege aussieht, wird sich zeigen. Ausgleichsflächen sind aus Sicht des BUND keine Einmal-Investition. Sie müssen dauerhaft gepflegt werden. Gerade in den ersten Standjahren kommt es bei Streuobst auf den Erziehungsschnitt an.



























































