BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Zur Diskussion: "Grüner" Kapitalismus oder ökologischer Sozialismus

Unser Planet wird von einer existenziellen Doppelkrise beherrscht, bestehend aus der Krise der Sozialen Gerechtigkeit und der Ökologischen Krise. Diese Krisen dürfen nicht getrennt wahrgenommen werden, sondern müssen zusammen gedacht und gelöst werden, weil sie auf fatale Weise miteinander verschränkt sind. Sogar in den fortgeschrittenen Industrieländern besteht insgesamt eine große und wachsende Spaltung der Gesellschaft u.a. durch immense Arbeitslosigkeit bzw. unsichere und schlecht bezahlte Arbeit. Das kapitalistische System setzt zur Bewältigung von sozialen und ökonomischen Krisen auf wirtschaftliches Wachstum. Wirtschaftliches Wachstum ist aber nicht länger ohne weitere Umweltschäden/-zerstörung zu erzielen. Der Ressourcenverbrauch der Menschheit liegt schon jetzt weit über dem, was das Ökosystem des Planeten verkraften kann. Wir sind in einem Teufelskreis. Wie Können wir diesem Teufelskreis entrinnen? Zur Reduzierung des Ressourcenver-brauchs setzt der Ökokapitalismus auf ökologisch attraktive Produkte / Waren. Ökologisch attraktive Produkte / Waren sind selbstverständlich an sich sinnvoll. Aber sie können nur eine singuläre Öko-Effizienz zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs und damit der Umweltschädigung hervorbringen - aber keine systematische Öko-Effizienz.

„Grüner“ Kapitalismus kann verbrauchsarme Autos herstellen, aber keine effizienten Verkehrssysteme. Er kann Öko-Häuser bauen, aber keine ökologisch sinnvollen Siedlungsstrukturen schaffen. Er kann effiziente Heizungen und Elektrogeräte zur Verfügung stellen, aber keine nachhaltigen Energiesysteme; Bio-Lebensmittel, aber keine Bioagrarsysteme (Dr. Hans Thie, Ökonom und Soziologe).

Große ökologische Effekte sind aber nur dann zu erzielen, wenn man nicht nur auf einzelne grüne Produkte/Waren, sondern auch und vor allem auf ökologische Systeme / Strukturen setzt. Ökologische Systeme / Strukturen können jedoch nicht aus der kapitalistischen Wirtschaftsweise 'kreiert' werden, weil sich innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystems die systemimmanente Konkurrenz der

Produktanbieter und der Wachstumszwang betreffend die Produktion nicht aufheben lassen. Das Konkurrenzprinzip befeuert den Wachstumszwang. Unabdingbar hinzu kommt, dass ökologische Systeme/Strukturen nur aus demokratischen, politischen, gesellschaftspolitischen Entwicklungs- und Entscheidungsprozessen der Menschen hervorgehen dürfen. Diese Prozesse dürfen nicht der „unsichtbaren Hand“ des Marktes anheimfallen bzw. durch eine „marktkonforme Demokratie“ völlig entwertet werden!


Die lediglich singuläre Öko-Effizienz ist auch unter dem Gesichtspunkt der sog. Bumerang- oder Rebound-Effekte nicht als hinreichende Problem-lösung für die Ökologische Krise anzusehen. Rebound bedeutet für den Konsum: Die in der Wohnung eingesparte Kilowattstunde entlastet das

Einkommen und landet als Umsatzplus im „Mediamarkt“ oder im

„EasyJet“-Billigflieger. Rebound bedeutet für die Produktion: Der ver-minderte Rohstoffverbrauch des Unternehmens senkt die Kosten und

stärkt die Fähigkeit, in neue Produktlinien zu investieren (für Produkte, deren „Bedarf“ erst neu durch Werbung „erschaffen“ wurde). So steigert jeder Effizienzgewinn an der einen Stelle den Verbrauch / Ressourcenver-zehr an einer anderen. Ganz allgemein: Wenn der Stromverbrauch jedes einzelnen Elektrogerätes sinkt, aber die Zahl der Geräte rapide ansteigt, ist nichts gewonnen.


Reine Einzeleffizienzstrategien, die den Verbrauch in Relation zur

Wertschöpfung senken sollen, reichen nicht, um die Inanspruchnahme der Natur schnell, dauerhaft und absolut zu senken! „Grüner“ Kapitalismus ist systemisch letztlich ungeeignet die Ökologische Krise zu meistern, weil er keinen 'gesellschaftlichen Sinn' erzeugen kann.

Dr. Hans Thie: „Grüner Kapitalismus (...) sorgt für das Flair ökologischer Modernität. Aber er ist keine Antwort, wenn es um fundamentale Zukunftsfragen geht. Wer Ökologie für alle will muss die Wirtschaftsordnung ändern.“

Papst Franziskus argumentiert in Laudato si 111 wie folgt:

„Die ökologische Kultur kann nicht reduziert werden auf eine Serie von

dringenden Teilantworten auf die Probleme, die bezüglich der Umwelt- schäden, der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen und der

Verschmutzung auftreten. Es müsste einen anderen Blick geben, ein Denken, eine Politik, ein Erziehungsprogramm, einen Lebensstil und eine

Spiritualität, die einen Widerstand gegen den Vormarsch des techno-kratischen Paradigmas bilden. Andernfalls können auch die besten ökologischen Initiativen schließlich in derselben globalisierten Logik stecken bleiben. Einfach nur eine technische Lösung für jedes auftretende

Umweltproblem zu suchen bedeutet, Dinge zu isolieren, die in der Wirklichkeit miteinander verknüpft sind, und die wahren und tiefsten

Probleme des weltweiten Systems zu verbergen.“

Franziskus in Laudato si 112:

„Es ist jedoch möglich, den Blick wieder zu weiten. Die menschliche Freiheit ist in der Lage, die Technik zu beschränken, sie zu lenken und in den Dienst einer anderen Art des Fortschritts zu stellen, der gesünder, menschlicher, sozialer und ganzheitlicher ist. Die Befreiung vom herrschenden technischen Paradigma geschieht tatsächlich in manchen Situationen, zum Beispiel wenn Gemeinschaften von Kleinproduzenten

sich für weniger verschmutzende Produktionssysteme entscheiden und dabei ein Modell des Lebens, des Wohlbefindens und des nicht konsum-

orientierten Miteinanders vertreten; oder wenn die Technik sich vorrangig

darauf ausrichtet, die konkreten Probleme der anderen zu lösen, in dem

Wunsch, ihnen zu helfen, in größerer Würde und in weniger Leid zu leben;

(…).“ Franziskus beschreibt meisterhaft das Prinzip des Schutzes der Umwelt und der Solidarität. Bewahrung der Schöpfung für ALLE !


Die strikten Anforderungen des Ökosozialismus an UNS ALLE sind damit jedoch noch nicht beendet! Alberto Acosta, ehemaliger Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors, stellt fest:

„Es ist zum Beispiel ein Fehler zu glauben, dass die globalen Umwelt-

probleme mit marktwirtschaftlichen Instrumenten gelöst werden können.

(…) Es hat sich gezeigt, dass (bisher noch nicht ausreichende) Normen und Regulierungen wirksamer sind als Angebot und Nachfrage, die „selbstregulativen Gesetze“ der kapitalistischen Welt. (…) Die Postmoderne, eine Zeit der Ernüchterung, muss überwunden werden. Es kann nicht weiterhin das zerstörerische Entwicklungsmodell herrschen, dessen Paradigma endloses Wirtschaftswachstum ist. Das Konzept des Fortschritts als ständige Akkumulation materieller Güter muss demzufolge überwunden werden. (…) Außerdem wissen wir inzwischen, dass die „Entwicklung“ als Neuauflage der Lebensstile der zentralen Länder auf globaler Ebene nicht wiederholt werden darf. Ein derart konsumgeprägter und auf Raubbau angelegter Lebensstil gefährdet das globale ökologische Gleichgewicht und schließt immer größere Menschenmengen von den (angeblichen) Vorteilen der ersehnten Entwicklung aus. Dem ganzen technischen Fortschritt zum Trotz ist nicht einmal der Hunger auf der Welt besiegt.“


Die Ressourcen der Erde sind endlich und die Zukunftserwartung

des Menschen ist beschränkt, da sie nicht für die gesamte Menschheit ver-

allgemeinert werden kann. Bereits um 1950 sagte Mahatma Gandhi:

Wenn Indien so sein wollte wie Großbritannien, müsste es zwei Planeten

zur Verfügung haben, die es ausbeuten kann. Dieselbe Wahrheit sprechen

heute Soziobiologen wie Edward O. Wilson oder Astrophysiker wie

James Lovelock aus. (Befreiungstheologe Leonardo Boff, Zukunft für

Mutter Erde)


Die Ökosozialisten John Bellamy Foster und Fred Magdoff führen aus: „Da das kapitalistische System (…) „den Göttern des Profits und der Produktion“ huldigt, statt auf reale Bedürfnisse einzugehen, ist es nicht in der Lage, alle Menschen mit dem Notwendigsten für ein anständiges Leben zu versorgen, in manchen Fällen nicht einmal mit dem Leben selbst. (…) Daraus folgt, dass die verschiedenen Wege zur „Reformierung“ des Kapitalismus, unterstützt von oftmals wohlmeinenden, praktisch denkenden Leuten, die innerhalb der Parameter des im System Zulässigen Dinge verändern möchten, wenig mehr sind als intellektuelle Verrenkungen: Die Leute versuchen, grundlegende Eigenschaften des Systems zu umgehen oder auszubügeln, weil eine wirkliche Alternative aus ihrer Sicht undenkbar ist. „Grüner Kapitalismus“ bietet keinen Ausweg aus einem System, das exponentiell wachsen und in dem der Verbrauch an natürlichen Ressourcen, die chemische Verschmutzung, die Menge an verseuchtem Klärschlamm, Müll und vieler anderer giftiger Substanzen weiter zunehmen muss - sogar wenn die Produkte mit äußerster ökologischer Sorgfalt hergestellt und für eine mühelose Wiederverwendung entwickelt werden. Einige dieser Reparaturen werden wahrscheinlich die Geschwindigkeit der Umweltzerstörung abbremsen, aber das Ausmaß der notwendigen Veränderungen lässt all diese Methoden wie ein Tropfen auf den heißen Stein erscheinen. Das Problem bei all diesen Ansätzen ist, dass sie es der Wirtschaft gestatten, denselben katastrophalen Kurs fortzusetzen, dem sie gegenwärtig folgen. Die Wirtschaft kann weiter wachsen und wir können weiterhin alles konsumieren was wir möchten (jedenfalls so viel uns Einkommen und Besitz erlauben) - wir können in unseren effizienteren Autos größere Entfernungen zurücklegen, in sehr großen, aber gut isolierten Häusern wohnen, alle erdenklichen von grünen Firmen hergestellten neuen Produkte konsumieren und so weiter. Wir brauchen nur die neuen grünen Technologien zu unterstützen (…) und wir können ziemlich genau wie zuvor weiterleben, in einer Wirtschaft des immerwährenden Wachstums und der Profite.“

Aber genau das ist die sehr gefährliche Illusion des Ökokapitalismus -

auch bei allem notwendigen und sinnvollen Einsatz „grüner Technik“!

Foster/Magdoff weiter: „Was reduziert werden muss, ist nicht nur der CO 2-Fußabdruck, sondern der ökologische Fußabdruck. Das bedeutet, dass die wirtschaftliche Expansion weltweit und insbesondere in den reichen Ländern reduziert oder sogar gestoppt werden muss. Gleichzeitig muss in vielen armen Ländern die Wirtschaft expandieren, was einen noch größeren Schnitt bei den ökologischen Fußabdrücken reicher Ökonomien erfordert, um der Entwicklung an der Peripherie Raum zu lassen.

Die neuen Prinzipien, die wir unter diesen Umständen unterstützen sollten, sind diejenigen einer nachhaltigen menschlichen Entwicklung.“


Der Ökosozialist Saral Sarkar arbeitet mit dem für ihn zentralen Begriff der 'Zangengriffkrise'. „Jetzt aber befindet sich die Welt in einem Zangen-

griff, ist gefangen zwischen der Gefahr von Klimakatastrophen und der

Gefahr der Erschöpfung der fossilen Energieträger, besonders des Öls.

Die (…) Zangengriffkrise hat aber wenig zu tun mit den

inneren Widersprüchen des Systems. Ihre Ursache liegt in den Natur-gesetzen, außerhalb der Kontrolle des Systems. Es sieht nicht so aus, dass der Kapitalismus diese Krise wird überleben können.“ Der Ökosozialist

und Ökotheologe Bruno Kern formuliert es so:

„Nun aber steht der Kapitalismus weltweit zum ersten Mal vor einer

unüberwindlichen Schranke, die ihm „von außen“ gesetzt, geologisch-

physikalischer Natur und deshalb endgültig ist: vor den Grenzen des

Wachstums durch Erschöpfung der nicht erneuerbaren Ressourcen und

durch die Erschöpfung der ökologischen Tragfähigkeit der Erde. Aus dieser „Zangengriffkrise“ kann er nicht entrinnen.“


Saral Sarkar erklärt darüber hinaus unzweifelhaft, dass die Krisen des kapitalistischen Wirtschaftssystems „wegen der inneren Logik des Systems - Konkurrenz, Profitmotiv, Wachstumszwang usw. - nicht im Rahmen des Kapitalismus überwunden werden können. Die bevorstehende, unvermeidliche, weltweite und lang anhaltende Schrumpfung der Wirtschaften kann nur dann friedlich bewältigt werden, wenn die Menschheit bereit ist, sich vom Kapitalismus zu verabschieden und, parallel zu dem Schrumpfungsprozess, eine neu konzipierte sozialistische Gesellschaft aufzubauen.“ Saral Sarkar zeigt sich überzeugt:

„Denn jede Entwicklung (…) der Produktivkräfte, Weiterentwicklung der

Automation zum Beispiel, würde, wenn sie auch verbreitet angewendet würde, unweigerlich mehr Ressourcenverbrauch und damit mehr Umwelt-

zerstörung nach sich ziehen. Das aber ist etwas, was sich die Menschheit nicht mehr erlauben darf.“ Diese Aussage könnte als zu rigoros - ggf. fortschrittsfeindlich angesehen werden. Aber ist sie das objektiv wirklich?

Hören wir erneut Papst Franziskus in Laudato si 193:

„Wenn in einigen Fällen die nachhaltige Entwicklung neue Formen des

Wachstums mit sich bringen wird, muss man immerhin in anderen Fällen

angesichts des unersättlichen und unverantwortlichen Wachstums, das

jahrzehntelang stattgefunden hat, auch daran denken, die Gangart ein wenig zu verlangsamen, in dem man einige vernünftige Grenzen setzt und

sogar umkehrt, bevor es zu spät ist. Wir wissen, dass das Verhalten derer,

die mehr und mehr konsumieren und zerstören, während andere noch nicht

entsprechend ihrer Menschenwürde leben können, unvertretbar ist. Darum

ist die Stunde gekommen, in einigen Teilen der Welt eine gewisse Rezession zu akzeptieren und Hilfen zu geben, damit in anderen Teilen

ein gesunder Aufschwung stattfinden kann.“


Und hören wir zum Schluss den großen Franzosen Stéphane Hessel:

„Das im Westen herrschende materialistische Maximierungsdenken hat die

Welt in eine Krise gestürzt, aus der wir uns befreien müssen. Wir müssen

radikal mit den Rausch des „Immer noch mehr“ brechen, in dem die Finanzwelt, aber auch Wissenschaft und Technik die Flucht nach vorne

angetreten haben. Es ist höchste Zeit, dass Ethik, Gerechtigkeit, nach-

haltiges Gleichgewicht unsere Anliegen werden. Denn es drohen uns schwerste Gefahren, die dem Abenteuer Mensch auf einem für uns unbe-

wohnbar werdenden Planeten ein Ende setzen könnten.“


Helmut Gelhardt

Mitglied BUND / NaturFreunde /

Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB)

Pressemitteilung des BUND Rheinland-Pfalz und des Jobcenters Mayen-Koblenz

Kooperation von BUND-Projekt „Energiesparhelfer“ und Jobcenter Andernach

Arabischsprachige Schulung zum Energiesparhelfer gestartet

Andernach/Koblenz. Eine Schulung zum zertifizierten Energiesparhelfer
startete jetzt bei "Leben-Qualifizieren-Arbeiten" (LQA), dem Andernacher
Jobcenter-Projekt zur Integration aller anerkannten Flüchtlinge im
Landkreis Mayen-Koblenz. Die Schulung steht im Rahmen des vom Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e. V., Landesverband
Rheinland-Pfalz, realisierten Projekts "Energiesparhelfer" und ist im
BUND-Regionalbüro Koblenz angesiedelt. Das Projekt wird zu 100 % vom
Landesministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten gefördert.

Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Syrien, Eritrea und
Algerien. Sie absolvieren die Schulung, um im Anschluss ihre Landsleute
für das Thema Energiesparen zu sensibilisieren. Auf dem Unterrichtsplan
der insgesamt 25 Stunden umfassenden Schulung finden sich unter anderem
die Themenbereiche "Stand-By-Verbrauch", "Haushaltsgroßgeräte" und
"Lüften und Heizen". Der Praxisbezug steht neben der theoretischen
Wissensvermittlung im Vordergrund. Die Schulung befähigt die
Absolventen, Energiefallen in privaten Haushalten zu enttarnen, dadurch
Kosten einzusparen und auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.
Markus Eiden, Projektmanager LQA: „Den Menschen werden im Projekt
Hilfestellungen für das tägliche Leben gegeben. Stromsparen gehört
unbedingt dazu, wenn man bedenkt, mit welchem Geld die Menschen
auskommen müssen. Durch die Schulung können sie als Multiplikatoren für
ihre Bekannten und Freunde wertvolle Arbeit leisten.“

Im Rahmen des BUND-Projektes wurden bereits deutschsprachige
Energiesparhelfer ausgebildet. Wer seinen Haushalt durch einen
BUND-Energiesparhelfer kostenlos überprüfen lassen möchte, kann sich per
E-Mail an energiesparhelfer@bund-rlp.de  oder telefonisch unter 0261 973
548 41 melden.

Weitere Informationen zu dem Projekt sind online verfügbar unter energiesparhelfer.bund-rlp.de.

24. Juni 2017

Koblenzer Luftreinhalteplan schützt die Autos, nicht unsere Gesundheit

BUND reicht umfassende Einwendung gegen die Fortschreibung des Planes ein und prüft juristische Schritte, falls nicht deutlich nachgebessert wird

Koblenz gehört zu den Städten mit der schmutzigsten Luft im Land und hat deshalb einen neuen Luftreinhalteplan aufgestellt. Stickoxide, verursacht vor allem durch Autoabgase, insbesondere aus Dieselmotoren, liegen auch bei uns permanent und deutlich über den gesetzlichen Grenzwerten. Deren Einhaltung ist europaweit seit 2010 gesetzliche Pflicht. „Unsere Bürger*innen sind in der Innenstadt hohen Gesundheitsrisiken ausgesetzt, bis hin zu vorzeitigen Todesfällen. Dies alles ist der Verwaltung und dem Stadtrat seit langem bekannt, dennoch duckt man sich dort weiterhin weg. Die EU hat wegen der Untätigkeit auch von Koblenz ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Die Stadt ist aufgefordert, sofort seinen unzureichenden Luftreinhalteplan 2008-2015 so fortzuschreiben, dass die Grenzwerte kurzfristig durch örtliche Maßnahmen eingehalten werden. Andernfalls drohen juristische Konsequenzen und Strafzahlungen. Die Stadt hat den Ernst der Lage offensichtlich aber nicht erkannt“, so der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND), Kreisgruppe Koblenz, Egbert Bialk. „Der neue Plan ist eine einzige Enttäuschung. Daten fehlen oder sind falsch, die Verantwortung wird auf die Bundesebene abgeschoben, Maßnahmen sind durchweg unwirksam, fragwürdig und unverbindlich. All dies haben wir detailliert geprüft und schriftlich bemängelt. Wir haben den Eindruck, Koblenz schützt damit zuallererst die Autos und nicht unsere Gesundheit.“

Bis zum 22.6. konnten Verbände und Bürger*innen den Planentwurf einsehen und Stellung beziehen. Davon wurde offenbar reger Gebrauch gemacht. Bialk: „Wir wissen von kurzen oder ausführlichen Eingaben von über vierzig Personen und Verbänden, darunter auch Ärzte, Anwohner oder Verkehrsteilnehmer, die die missliche Situation nicht länger hinnehmen wollen. Es gibt zahlreiche konstruktive und wirksame Vorschläge, den Plan zu verbessern.“

Der BUND fordert neben einer verbesserten Datenerfassung und Wirkungskontrolle vor allem eine Initiative für einen sauberen und attraktiven Nahverkehr. Dazu gehöre vor allem auch die Nachrüstung der Dieselbusse, die große Emissionsprobleme verursachen. Jetzt müsse man mit der Neuanschaffung von Elektrobussen beginnen, wie z.B. Bonn das vormache. Weiterhin regt der Verband ambitionierte Radfahr- und Fußgängerinitiativen an und fordert wirksame Maßnahmen für eine deutliche Reduzierung des KFZ-Verkehrs in der Innenstadt ein. Hierzu brauche man schnellstens ein innovatives Parksystem, das die schmutzigen Autos aus der Innenstadt heraus hält und Pendler und Besucher in kostenfreien Shuttlebussen oder per Bahn weiterbefördert. Überfällig seien auch eine Umweltzone plus die bundesweite Einführung der blauen Plakette und ein Schluss des Dieselbetrugsskandals. Bialk: „Halbherzige Aufklärungskampagnen für umweltschonendes Fahren und nebulöse Good-will-Aktionen, wie die Stadt das vorschlägt, bringen absolut nichts. Der gültige Klimaschutzplan und der in der Abstimmung befindliche Verkehrsentwicklungsplan müssen verbindlich umgesetzt und ausreichend mit Finanzen hinterlegt werden.“

Der BUND-Vorsitzende weist darauf hin, dass der Luftreinhalteplan keine lästige Pflicht oder unverbindliche „Wünsch-dir-was“-Liste sei, etwa um Zeit zu gewinnen oder Geld zu sparen: „Die Stadt muss sehr kurzfristig nachweisen, dass ihre örtlichen Maßnahmen die Luftschadstoffe tatsächlich reduzieren. Ansonsten kann dies eingeklagt werden, und zwar mit guten Erfolgsaussichten, wie in Mainz, Düsseldorf und anderen Städten auch. Wir prüfen gerade zusammen mit anderen Verbänden diese Möglichkeit, hoffen aber, dass Stadt und Ratsfraktionen hier noch deutlich nachbessern.“

 

Weitere Informationen: BUND Koblenz, Egbert Bialk, tel 0261-94249638, mob 01578 6257149 oder:

BUND-Regionalbüro Koblenz, tel 0261-9734539.

29. August 2016

Beim Atommüll ist keine Ent-Sorgung möglich


Bild: Klaus Brunsmeier (zweiter von rechts) mit Mitgliedern des Bündnis Klimaschutz Mittelrhein


Gemeinsame Pressemitteilung des BUND Koblenz mit dem Bündnis Klimaschutz Mittelrhein und der Bürgerinitiativen gegen das Atomkraftwerk Mülheim-Kärlich

BUND-Experte Klaus Brunsmeier berichtet von zahlreichen ungelösten Problemen bei der Suche von End- und Zwischenlagern – Nach der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ folgen nun Gesetzes- und Verwaltungsänderungen – Orte, Zeitpunkte, Verfahren und Kosten sind ungewiss.

Der Einstieg des Info-Abends „Atommüll – die tickende Zeitbombe“ war überraschend, so manche der anwesenden Aktiven gegen das AKW Mülheim-Kärlich rieben sich die Augen. Brachte der Referent Klaus Brunsmeier, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND und Mitglied der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“, doch ein dickes Dankeschön von Umweltministerin Barbara Hendricks mit. „Die Anti-Atom-Bewegung war keine gegen den Staat gerichtete Bewegung. Im Gegenteil: Es waren Freunde des Staates und der Gesellschaft. Weil sie nicht hinnehmen wollten, dass wir alle den Risiken einer zu gefährlichen Art der Energieerzeugung ausgesetzt sind. … Sie haben sich um unser Land verdient gemacht!“

Inzwischen ist ein Atomausstieg auf Raten absehbar, die Sorgen der Umweltbewegung richten sich vermehrt auf den Rückbau der Atomanlagen und eine möglichst wenig unsichere Lagerung der radioaktiven Abfälle. Dass dies angesichts der Gefährlichkeit des Materials und des unvorstellbar langen Zeitraumes von bis zu einer Million Jahren nur mit großen Problemen verbunden ist, war allen klar. Die Brisanz und Ungewissheit des Verfahrens dorthin erschreckte dann doch.

Egbert Bialk, Koblenzer BUND-Vorsitzender und moderierender Gastgeber dazu: „Wieder einmal sind wir entsetzt, wie leichtfertig viele Politiker und Wirtschaftsleute mit dieser schweren Hypothek umgehen, die nachfolgenden Generationen für nur 50 Jahre scheinbar billigen Stromes aufgelastet wurde. Weder ist man bereit den Atomausstieg im Grundgesetz zu garantieren, noch ungeeignete Standorte wie Gorleben auszuschließen, von einer hinreichenden Kostenübernahme durch die Verursacher ganz zu schweigen.“ Bekanntlich sind nur wenige Milliarden Euro bei den Atombetreibern rückgestellt, die herangezogen werden sollen. Brunsmeier rechnet aber mit weit über 70 bis vielleicht 100 Milliarden an Zusatzkosten: „Das bezahlen wir dann alle, auch unsere Kinder und Enkel. Generationengerechtigkeit sieht anders aus.“

Immerhin konnte der BUND-Experte etwas Klarheit über den derzeitigen Stand der ins Auge gefassten Gesetze, Orte oder Zeitpunkte vermitteln. Brunsmeier war für die Umweltverbände Mitglied in der 32-köpfigen „Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“, die Ende Juni mit einem Abschlussbericht das weitere Verfahren regeln sollte. Er berichtete aus erster Hand von den schwierigen Verhandlungen mit Politik und Wirtschaft und den aus seiner Sicht unzureichenden Ergebnissen, weshalb der BUND als einziger auch ein ablehnendes Sondervotum abgab:

„Das fängt schon damit an, dass man zunächst einmal offen auf den Tisch legen müsste, um welche Mengen und Arten an Atommüll es sich handelt. Das kam erst sehr spät und blieb bis zuletzt umstritten. Die Prognose für 2022 rechnet mit rd. 10 500 t bestrahlter Brennelemente, die überall in Deutschland an Kraftwerken, in Zwischenlagern oder in Frankreich und England mehr oder weniger gesichert liegen bzw. immer noch durch den laufenden Betrieb täglich neu entstehen. Weitere Altlasten und zu erwartende Müllmengen kommen hinzu: Etwa 147 000 cbm schwach- und mittelaktive Abfälle aus dem maroden Bergwerk Asse und voraussichtlich rd. 300 000 cbm aus stillgelegten und rückzubauenden Kraftwerken, vorgesehen für den genehmigten Schacht Konrad in Niedersachsen.“

Noch gar nicht erfasst seien weitere Abfälle, etwa aus der Urananreicherung in Gronau, die noch Jahrzehnte in Betrieb sei und vom Umweltministerium grob auf 100 000 cbm geschätzt wird, „vielleicht auch das Doppelte, das kann und will niemand sagen“ so Brunsmeier.


Das Hauptinteresse, auch bei den zahlreichen Zuhörern und Diskutanten, liegt natürlich beim weiteren Verfahren. Brunsmeier berichtete, dass erreicht wurde, dass eine neue Behördenstruktur eingerichtet wurde, die von den Energieversorgern unabhängig ist. Auch das Standortsuchgesetz soll im Frühjahr 2017 novelliert werden, damit das abgestufte Verfahren zur Lagersuche schrittweise in den nächsten Jahrzehnten angegangen wird. „Gegen den Druck von Bayern und Sachsen werden jetzt bundesweit doch zunächst alle drei geeigneten Wirtsgesteine untersucht und bewertet: Salz, Ton und Granit. Auch der Schutz durch Deckgebirge geht in die Abwägung mit ein. Ein geologisch absolut sicheres Lagergestein gibt es nicht, nirgendwo in Europa. Es geht nur um die am wenigsten schlechte Entsorgung. Zusätzliche Sicherungen sind deshalb wichtig. Bis zur Einlagerung muss der Wärme entwickelnde hoch radioaktive Abfall bis auf 100 Grad abgekühlt, also zwischengelagert werden, auch aus Vorsorge wegen der Explosionsgefahr von Wasserdampf.“

Für die anderen Müllformen in sehr verschiedenen Zuständen müssen spezielle Lagerformen gefunden werden, so dass es mehrere Lager und Zwischenlager geben werde, gleichzeitig aber die Atomtransporte begrenzt werden müsse. Proteste und Klagen seien trotz des aus Sicht des BUND unzureichenden Rechtsschutzes überall zu erwarten, auch bei den Zwischenlagern, das könne sich bis zur Jahrhundertwende hinziehen. „Eine Alternative zum Start der umfangreichen Lagersuche und zum schnellen Atomausstieg gibt es nicht“, so Brunsmeier.

Ein spezieller Fragenkomplex bezog sich auch auf den Umgang mit rückzubauenden Atomkraftwerken, besonders interessant auch in der Region rund um das AKW Mülheim-Kärlich. Der BUND sprach sich hier entschieden gegen die bisher genehmigte Praxis der „Freimessung“ von schwach belasteten Baustoffen aus, die etwa 97% der Menge ausmachen. Dies begrüßte auch Elke Sodemann-Müller von der Bendorfer BI gegen das AKW Mülheim-Kärlich: „Jede zusätzliche Radioaktivität kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Es gibt keinen Schwellenwert, der ungefährlich ist. Die Stoffe dürfen deshalb nicht in den Wirtschaftskreislauf entlassen, sondern müssen gesondert und kontrolliert in einer speziell abgedichteten Deponie gelagert werden.“

Die überaus informative Veranstaltung schloss mit dem Appell für einen sofortigen umfassenden Atomausstieg und die Beschleunigung der Energiewende, auch aus Gründen des Klimaschutzes.

 

Gemeinsame Pressemitteilung, 16.07.2016: Neue starke Stimme für den Klima- und Umweltschutz in der Region

Zahlreiche Gruppierungen verstärken ihre Zusammenarbeit und starten Aktionsprogramm



„Stell dir vor, die Welt taumelt in das Klimachaos, und wir hier zuhause tun so, als hätten wir nichts damit zu tun! – Genau diese sich nicht nur in der Politik hartnäckig haltende Einstellung werden wir angehen, aktiver und stärker denn je“, so Oliver Hartmann, Vorsitzender der Naturfreunde Kettig. Hartmann, dem die örtlichen Maßnahmen besonders am Herzen liegen, ist einer der Gründungsmitglieder des neuen „Bündnis Klimaschutz Mittelrhein“, das sich jetzt im Umweltbüro des Dreikönigenhauses Koblenz zusammengeschlossen hat. Das regionale Bündnis besteht bereits aus über zehn Klima, Umwelt- und Naturschutzverbänden und Initiativen aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz. Ab Ende August sind zahlreiche Veranstaltungen zu den Themen Atomausstieg, Energiewende und Umweltschutz geplant.


Dr. Thomas Bernhard, umreißt als Sprecher des Solarenergiefördervereins SFV, Infostelle Koblenz, die Zielsetzung des Bündnisses: „Unser Ziel ist es, Politik, Wirtschaft und Bevölkerung mit bislang leider viel zu wenig beachtenden Sachinformationen der Klima- und Energiefachleute zu konfrontieren und den Druck der aktiven Zivilgesellschaft auf die Entscheider zu verstärken. Paris muss endlich ernstgenommen werden, auch in Koblenz, Neuwied und im Westerwald!“


Mit dabei sind neben den Naturfreunden und dem SFV auch der Bund für Umwelt und Naturschutz BUND Koblenz, Westerwald und Rhein-Lahn, Ökostadt Koblenz eV, die Umweltinitiative Bendorf (Bürgerinitiative AKW Mülheim-Kärlich), Umweltschutz Neuwied eV, die Bildungsstätte Haus Wasserburg Vallendar, der Landesarbeitskreis Energie und Klima des BUND Rheinland-Pfalz und der Welt-Laden Koblenz. Weitere Gruppierungen aus dem kirchlichen und Eine-Welt-Bereich haben ebenfalls ihr Interesse an einem Beitritt bekundet. „Das Bündnis Klimaschutz ist offen für alle, die ihre Ideen und Kooperationsbereitschaft für den Schutz unserer Mutter Erde einbringen wollen“, betont Egbert Bialk, BUND-Vorsitzender aus Koblenz und bietet dazu die gute Logistik des Umweltbüros zur Vernetzung an.


Neben der Zusammenarbeit im medialen Bereich plant das regionale Netzwerk bereits erste größere gemeinsame Veranstaltungen zu aktuellen Problemen:

Am Donnerstag, 25. August 2016, 18 Uhr, beginnt im Dreikönigenhaus ein großer Infoabend zur ungelösten Kehrseite unserer bisherigen Energiepolitik. „Wohin mit dem hochgefährlichen Atommüll? – Tickende Zeitbomben von Asse, Gorleben und Mülheim-Kärlich bis Tihange, Gronau und Cattenom“. Der stellvertretende BUND-Bundesvorsitzende Klaus Brunsmeier war Mitglied der Atommüllstandortsuchkommission und wird berichten, was da an Zwischen- und Endlagern in naher oder eher ferner Zukunft auf uns zukommen wird. Gleichzeitig wird es um Forderungen für einen schnelleren Atomausstieg und eine wirksame Energiewende gehen.


Für den 17. September steht die Mobilisierung zur Großdemo „Ceta und TTIP stoppen!“ in Frankfurt an, und eine gemeinsame Zug- bzw. Busanfahrt ist bereits in Vorbereitung. Weitere Veranstaltungen zu einer gerechteren CO2-Besteuerung und zur Windkraft mit Referenten des Solarenergiefördervereins und anderen sollen im Herbst folgen.


gez. Egbert Bialk, für das Bündnis Klimaschutz Mittelrhein

BUND Pressemitteilung: Energiewende retten - 5 vor 12!

Arbeitsniederlegung für die Energiewende - BUND Koblenz unterstützt die
bundesweite Kampagne


Unter dem Motto "Energiewende retten - 5 vor 12" beteiligten sich am
Mittwoch, dem 25. Mai auch mehrere Koblenzer Büros an der bundesweiten
Kampagne der Verbände der erneuerbaren Energien. Mit einer
Arbeitsniederlegung solidarisierten sich die Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des BUND Regionalbüros Koblenz mit den im Dreikönigenhaus
ansässigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Auch der
SPD-Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger sowie die Görlitz-Stiftung ISSO
gingen auf die Straße.

Mit der Koblenzer "Warnminute" erfolgte um 11:55 Uhr am Dreikönigenhaus
(ISSOlab - Kornpfortstraße 15) die symbolische „Schließung“ der ansässigen
Unternehmen. Zusammen mit den Beschäftigten protestierten sie gegen die von
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) angekündigte Drosselung des
Windenergieausbaus. Mit dieser Aktion soll darauf hingewiesen werden, dass
der vorliegende Entwurf für das EEG 2016 den Ausbau der Windenergie und der
Erneuerbaren Energien insgesamt gefährdet.
Laut Bundesverband Windenergie e. V. (BWE), Landesverband
Rheinland-Pfalz/Saarland, gefährdet der aktuelle Entwurf zur Überarbeitung
des EEG allein im Windbereich 150.000 Arbeitsstellen. Im gesamten Bereich
der Erneuerbaren Energien sind rund 370.000 Arbeitsplätze betroffen.

Auch der BUND hält das für eine falsche Weichenstellung. Der Klimagipfel in
Paris sollte gerade dazu beitragen, dass der Ausbau der Erneuerbaren
Energien gefördert wird. Deutschland müsste gemäß seinen internationalen
Verpflichtungen beim Ausbau der Erneuerbaren sogar das Tempo erhöhen, statt
wie aktuell geplant auf die Bremse zu treten. Mit der Teilnahme an der
Warnminute wurde auch auf die konkrete Bedrohungslage für Unternehmen und
Beschäftigte im Bereich der erneuerbaren Energien aufmerksam gemacht. Den
Demonstranten geht es darum, unsere Umwelt für die nächsten Generationen zu
erhalten und nicht mit Kohle, Gas oder Atom zu zerstören.

Egbert Bialk, BUND-Regionalbeauftragter aus Koblenz und
Landesvorstandsmitglied, appelliert darum an die Wirtschaftspolitik:
„Zukunftsfähigkeit in Deutschland wie auch global erreichen wir nicht, wenn
wir die Alarmsignale des Klimawandels ignorieren und weiter unbeirrt auf
ungebremstes Wachstum setzen. Die fossilen Energievorräte und viele weitere
Ressourcen sind bald erschöpft, weil eine Minderheit unsere
Lebensgrundlagen ausbeutet, insbesondere auf dem Rücken der armen Länder
des Südens und zu Lasten der Biodiversität und der Atmosphäre. Paris
verpflichtet uns zu einem deutlichen Gegensteuern - bei der
Energieversorgung, bei Landwirtschaft und Mobilität, beim maßlosen Konsum,
aber auch bei der Verteilungs- und Klimagerechtigkeit. Das heißt hin zu
Nachhaltigkeit in allen Wirtschaftsbereichen einschließlich einer
ökosozial verträglichen Arbeitswelt. Gabriels Pläne zum EEG sind leider
genau das Gegenteil hierzu.“



© Foto Andreas Klein/BUND: 5 vor 12 vor dem Dreikönigenhaus/Koblenz



© Foto Andreas Klein/BUND: 5 vor 12 vor dem Dreikönigenhaus/Koblenz



© Foto Andreas Klein/BUND: 5 vor 12 vor dem Dreikönigenhaus/Koblenz

BUND Pressemitteillung: 30 Jahre nach dem Super-Gau in Tschernobyl: Alle Atomanlagen abschalten - Energiewende voranbringen!

Mahnwache und anschließender Film am Mo, 25.4.16, 17 Uhr, in Koblenz am Löhrrondell

Kann ich meinen Salat essen, oder werde ich davon krank? Gieße ich die Frischmilch besser weg und trinke H-Milch, produziert vor dem radioraktiven Regen? Kann ich jemals wieder Pilze sammeln oder Wildschweinfleisch essen? - Menschen, die die Atomkatastrophe vor 30 Jahren miterlebt haben, sind diese Sorgen sehr präsent. Die Strahlung wirkt bis heute nach, nicht nur rund um die Atomruine, sondern weltweit. Nun ist auch noch vor 5 Jahren Fukushima dazugekommen. Wir ahnen, wie die Menschen dort in Japan leiden, zum Beispiel, wenn ihr Kind nicht draußen spielen darf oder gar an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Atomkraft - eine mörderische Technologie!

Der Atomausstieg scheint besiegelt, so hieß es, aber erst wenn das letzte AKW stillgelegt ist, können wir ein wenig aufatmen.Jetzt alle Atomanlagen abschalten, auch und gerade bei uns!

Manchen Politikern ist 2022 wieder zu früh. Sie nehmen billigend in Kauf, dass weiter strahlender Müll produziert wird, für den es keine wirklich sichere Entsorung gibt. Wessen Interessen vertreten diese Politiker?

Die maroden Kraftwerke in Belgien, Frankreich oder Tschechien laufen weiter, trotz Risse und Terrorgefahr. Unverantwortlich! Lasst das der Politik nicht durchgehen, geht weiter auf die Straße für den Atomausstieg - hier bei uns und weltweit. Strahlung kennt keine Grenzen.

Wir brauchen keine Atomenergie, wir haben Energiereserven genug und Alternativen. Mit Erneuerbaren und Energieeffizienz und einem verantwortungsbewussten Lebensstil sparen wir uns die Atom- und die klimaschädliche Kohlekraft weg. Das passt den Energiekonzernen und den mit ihr verbundenen Politikern nicht. Darum bremsen sie die Energiewende, wo sie sie nur können. Das machen wir nicht mit. Wir sind die Energiewende - wir bringen sie voran, von unten!

Das sind die Anliegen, die wir in diesen Tagen des Gedenkens an Fukushima und Tschernobyl öffentlich machen. Kommt darum am kommenden Montag zur Mahnwache ans Löhrrondell. Achtung: diesmal eine halbe Stunde früher als gewohnt - um 17 Uhr. Nach kurzen Redebeiträgen gehen wir gemeinsam als Montagsspaziergang zum Film "Power to change" ins Odeon in der oberen Löhr. Dieser Mut machende Film beginnt ab sofort täglich um 17:30 Uhr. Am Freitag, 22.4., auch um 20 Uhr, sogar in Anwesenheit des Regisseurs. 100% Erneuerbare sind möglich und nötig. Denn wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt.

Atomfeindliche Grüße,

Egbert Bialk, für das AntiAtomNetz und den BUND Koblenz.


Marco Fieber, September 2008 (CC BY-NC-ND 2.0)

Tschernobyl (Reaktor Vier mit dem Sarkophag)

Solarenergie-Förderverein-Infostelle Koblenz eröffnet


"Speicher, Wind- und Sonnenstrom

ersetzen Kohle und Atom!"


Die feierliche Eröffnung der Infostelle Koblenz des
Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV) im Dreikönigenhaus am
vergangenen Sonntag war ein voller Erfolg. Zahlreiche Gäste,
interessiert und motiviert dazu beizutragen die Erderwärmung auf 1,5
Grad zu begrenzen, lauschten dem Vorträgen: Dr. Rüdiger Haude sprach zu
„Energiewende – zentral oder dezentral organisieren“ und Thomas Bernhard
zu „was ist zu tun – die neue Greenpeacestudie zu den Folgerungen nach
Paris COP21“. Gäste nutzen die Kontaktmöglichkeiten, kamen in intensive
Gespräche, fuhren verschiedene e-Fahrzeuge Probe, oder vereinbarten auch
Aktionen.

Es wurde einiges geboten – und noch mehr mitgenommen:

Der Ort: Dreikönigenhaus in der Kornpfortstraße 15, das die ISSO
Startup-Unternehmen und Koblenzer Umweltbüros von BUND, VCD, Ökostadt
Koblenz und jetzt auch den SFV beherbergt. Dieser profitierte durch die
enge Zusammenarbeit auch vom BUND-Personal; voller Saal des Soul-Food
Cafes mit Sektempfang.

Die Menschen: SFV-Aktive aus Koblenz, Aachen, Bayern, Koblenzer und im
Umland ansässige Unternehmer, engagierte Bürger, Umwelt-Aktive,
Politiker aus Stadtrat und der Landespolitik, e-Auto-Besitzer,
Solateure, der Buchautor eines Reiseführers zu Erneuerbare Energien in
Deutschland, und viele mehr...

Das Ambiente: Eine mobile Rollup-Ausstellung des SFV zur Erderwärmung
und Möglichkeiten einer besseren Zukunftsgestaltung; Informationen rund
um die Solarenergie, zahlreiche Bücher, die tollen neuen Räumlichkeiten
aller ansässigen Büros – ein inspirierendes Ambiente und dazu eine
Austellung gängiger E-Fahrzeuge von e-Rollern, e-Motorrad, Twizzy,
e-Smart, Citroen C-zero, BMWi3, Renault Zoe, Kangoo, Nissan Leaf von
Autohaus Schilling, Tesla.

Die Inhalte: Dr. R. Haude kennzeichnete die Möglichkeiten bisheriger und
zukünftiger Energieversorgung, und zeigte neue Aspekte auf: die
dezentrale Versorgung ist technisch ausgereift, hat den Vorteil besserer
Fehlerfreundlichkeit -mit dem Verweis auf Fukushima-, die höheren
Wirkungsgrade mit Nutzung der Abwärme vor Ort, die kurzen Netze, und die
Schnelligkeit des Aufbaus. Der wirtschaftliche Vorteil ist, dass Bürger
geringere Gewinnerwartungen haben, Gewinne in eine regionale
Wertschöpfung eingehen. Politisch: Dass Dezentralität die Demokratie
stärkt statt eine Macht im Staat zu generieren die globale
Fehlentwicklungen hervorruft statt korrigiert. - Dr. T. Bernhard, der
auch im BUND Koblenz aktiv ist, berichtete über den Stand nach Paris:
Der weltweite Konsens die Erderwärmung möglichst bei 1,5 Gradzu halten.
Was das bedeutet, hat eine neue Studie aufgezeigt: Es muss der
CO2-Ausstoß weltweit und vorher noch in den Industrieländern so schnell
wie möglich heruntergefahren werden, denn jeder weitere Ausstoß erhöht
die Konzentration in der Atmosphäre und damit die Erwärmung. Konkret
muss Deutschland bis 2025 die Kohleverstromung beenden, bis 2035
komplett Strom aus Erneuerbaren herstellen. Der PKW-Verkehr muß statt
zuzunehmen pro Dekade um 10% reduziert werden, und alle Autos 2035
elektrisch fahren. Das sind Ziele die sich mit dem heutigen Zwiedenken
nicht vereinbaren lassen, das eine zu wollen und das andere trotzdem zu
tun. Konkret hieße das auch: keine Nordtangente mehr, keine neuen
Autobahnen, keine Verbrenner-Autos mehr kaufen; lieber Fahrradwege und
e-Bikes. Jede Verzögerung bringt uns mehr Erderwärmung.

Manche Gespräche waren sehr konkret, etliche überlegen welches e-Auto es
denn sein soll, und es wurden Aktionen besprochen zu dem Thema, vom „Tag
der Elektromobilität“ am 22.4. auf der Festung Ehrenbreitstein über den
Film „power to change“ ab 21.4 in den Kinos, zu Vorträgen oder
Schulaktionen. Die SFV-Infostelle Koblenz ist dabei. Eine gelungene Matinee.

Ansprechpartner ist Thomas Bernhard, weitere Infos unter
www.sfv-infostelle-koblenz.de, und www.sfv.de; Kontakt, Spende,
Mitgliedschaft -wir freuen uns auf Sie: Tel. 0261 / 9734539 im Büro des
BUND.

Pressemitteilung der ARGE Nette, BUND Koblenz, und der NaturFreunde Kettig:

Schwere Gewässerverunreinigung der Nette in Plaidt

Am 11.03.2016 wurde in Plaidt, vom Gelände eines ehemaligen Mineralwasserbetriebes,
eine große Menge Natronlauge in die Nette geleitet.
Die Firma dort ist stillgelegt und allem Anschein nach werden die vorhandenen Altlasten nicht ordnungsgemäß entsorgt.
Eine „Entsorgungsfirma“ sollte einen großen Stahltank verschrotten, den Inhalt, nämlich ca. 15-20 m3 der gefährlichen Chemikalie NATRONLAUGE „entsorgte“ man kurzerhand in einen Hofgulli, der direkt in die nebenan verlaufende Nette führte.
Der Schaden den diese ungeheuerliche Gewässerverunreinigung an der Flora und Fauna der Nette verursacht ist noch nicht absehbar.

Zufällig wurde ein Spaziergänger auf die Vorgänge dort aufmerksam und informierte die ARGE- Nette, in Person Herrn Elmar Weinand, der sofort im Rahmen des erst kürzlich von der ARGE entwickelten Alarmplanes alle zuständigen Stellen bei Verbandsgemeinde, Kreisverwaltung, Polizei und Feuerwehr alarmierte.

Es zeigte sich, dass dieser Alarmplan gut funktionierte und die Koordination aller Stellen, besser als in der Vergangenheit geschehen, durchaus beschleunigte.
Die Feuerwehr konnte zwar nicht mehr den großen Eintrag in die Nette stoppen, zumindest jedoch mehrere Kubikmeter Schlamm, der sich als Bodensatz in dem Tank befand, auffangen und somit verhindern, dass auch dieser in die Nette gelangte.

In den letzten Jahren sind an der Nette viele Millionen Euro investiert worden in Form von Klärwerksausbauten zur Verbesserung der Wasserqualität, Renaturierungsmaßnahmen und Wehrrückbauten zur Verbesserung der Gewässerstruktur – das sind alles Steuergelder.
Die Nette ist im größten Artenschutzprogramm des Landes Lachs 2020 als Monitoringgewässer für die „natürliche“ Wiederbesiedlung durch den atlantischen Lachs.

Man stelle sich vor es würde für mehrere Millionen Euro ein Fußballstadion gebaut und anschließend kommen alle möglichen Leute und laden ihre Abfälle auf dem Rasen ab?? Die Nette ist kein Abwasserkanal oder eine Mülldeponie!
Das gilt selbstverständlich auch für jeden anderen Bach!

Die Natronlauge hatte einen PH-Wert von 10,77, ist also eine Lauge mit der die Flaschen im ehemaligen Mineralwasserbetrieb gereinigt wurden. Wir vertrauen auf die zuständigen Behörden, dass alle weiteren Altlasten die sich noch auf dem Gelände befinden ordnungsgemäß behandelt und entsorgt werden und der Betreiber und Verursacher im Rahmen der Gesetzgebung zur Verantwortung gezogen wird. Es handelt sich hier nicht um einen Unfall, sondern um eine absichtliche Gewässerverunreinigung - § 324 Strafgesetzbuch!

Fische werden beim Kontakt mit der Lauge stark geschädigt, so dass über die Kiemen kein Sauerstoff mehr aufgenommen werden kann was letztendlich zum Tode führt.
Die ARGE – Nette hat inoffiziell an die Betroffenen eine Verzehrwarnung für Fische aus der Nette ausgesprochen.
Verschiedene Bachpächter und Angelvereine die in den letzten Jahren hier an der Nette durch kluge Besatzmaßnahmen und schonenden Fang einen großen Beitrag zur natürlichen Entwicklung

des Fischbestandes im Gewässer erbrachten haben bereits erklärt, dass sie Strafanzeigen gegen die Verursacher stellen werden und wenn möglich auch Schadensersatzforderungen geltend machen.

 

15. April 2014 Endlich den Klimaschutz ernst nehmen in Rheinland-Pfalz und den Kommunen!

BUND dringt nach dem Weltklimarat-Bericht auf Sofortmaßnahmen zur CO2-Minderung in Rheinland-Pfalz


22. März 201430.000 Demonstranten gehen für „Energiewende retten – Wind und Sonne statt Kohle, Fracking und Atom“ auf die Straße. 4.000 Demonstranten in Mainz und Wiesbaden - Koblenzer BUND mit Straßenaktionen dabei

„Raus aus Kohle und Atom, wir wollen echten Ökostrom!“ schallte es am Samstag durch die Innenstadt von Mainz und Wiesbaden und auch in fünf weiteren Landeshauptstädten. Rund 30.000 Menschen zeigten bundesweit ihren Unmut über die...


20. März 2014Presse-Einladung zu bundesweiten Demonstrationen am 22. März - auch in Mainz und Wiesbaden -7 mal „Energiewende retten – Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom“

Für den 22. März 2014 rufen die Organisationen .ausgestrahlt, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), campact, die NaturFreunde Deutschlands sowie zahlreiche lokale Initiativen bundesweit dazu auf, in sieben...


11. März 2014Fukushima - nie wieder! Mahnwachen zum dritten Jahrestag der Katastrophe mit großer Resonanz

Über 240 Mahnwachen mit mehr als 11.000 Teilnehmern fanden anlässlich der Tsunami- und Atomkatastrophe vom 11.3.2011 bundesweit statt, weltweit waren es Hunderttausende. Auch Koblenz war mit dem schon 85. Montagsspaziergang dabei...


Quelle: http://koblenz.bund-rlp.de/presse/pressemitteilungen/